Hilfe in Brasilien, die ankommt.

Die Salesianer Don Boscos sind seit über 130 Jahren in Brasilien für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche tätig. Mit dem Erlös der Kampagne „1.000 Bälle für Brasilien“ werden die vielen Bildungsprojekte und Sozialprogramme unterstützt, in denen jährlich mehr als 250.000 Kinder und Jugendliche betreut werden.
Im Mittelpunkt aller Don Bosco-Projekte steht das Thema „Bildung“. Nur wer Zugang zu Bildung hat, kann etwas für seine Zukunft und damit auch für die Zukunft des Landes tun. So helfen alle Aktionen und Spenden, Brasiliens Jugend eine Chance für ein selbst bestimmtes Leben zu geben.
Was sind das für Projekte in Brasilien? Was wird dort geleistet und welche Menschen stehen hinter den Projekten? Drei Projektstandorte in den Favelas brasilianischer Städte stehen exemplarisch für die 188 Sozial- und Bildungsprogramme von Don Bosco an 80 Standorten in ganz Brasilien.

Schon mit 10 Euro lässt sich viel in Brasilien bewirken.

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Lehrerin und Schüler im Klassenraum

Berufsbildung in Itaquera.

Junge repariert Auto„Früher, da gab es weder fließend Wasser, noch geteerte Straßen in Itaquera“, erinnert sich Pater Rosalvino Morán Vinayo. In den frühen 80ern kam der Ordensmann der Salesianer Don Boscos in das Zuwanderviertel am Rande der brasilianischen Großmetropole São Paulo, das von immenser Armut und Gewalt geprägt war. „Früher gab es hier nichts, heute richten wir eine WM in unserem Stadtteil aus.“

Zukunftsperspektive durch berufliche Ausbildung und menschliche Zuwendung.

Früh (vor 30 Jahren) erkannte Pater Rosalvino das Wesentliche: Damit die Menschen im Viertel eine Zukunft haben, brauchten sie nicht nur den Glauben an Gott, sondern vor allem Bildung und einen Job. So baute er Anfang der 90er Jahre eine Berufsschule für die größtenteils ungelernte und ungebildete Bevölkerung in Itaquera auf. Heute bietet das Berufszentrum erstklassige Ausbildungslehrgänge in insgesamt 15 Berufszweigen an. Weitere Ausbildungen in Metallmechanik und Mechatronik sind in Planung.

Eine Arbeit zu finden, die den Lebensunterhalt sichert, ist für viele Jugendliche in Brasilien noch immer ein Traum. Immer höher werden die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt im südamerikanischen Schwellenland. Jugendliche ohne Qualifikation haben kaum eine Chance. Die Plätze im Ausbildungszentrum von Don Bosco sind daher heiß begehrt, die Wartelisten lang. Mehr als 1.800 Jugendliche und Erwachsene verlassen jedes Jahr das Zentrum mit einem Abschluss, der hohe Anerkennung bei Firmen und Unternehmen genießt. Längst ist die Schule zur Referenz geworden – weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus.

Nach der WM geht das Leben weiter.

„Wir setzen uns dafür ein, dass auch nach der Fußball-WM etwas für die Bevölkerung in Itaquera bleibt, wie zum Beispiel Arbeitsplätze, besserer Wohnraum und mehr Bildungsangebote,“ erzählt Pater Rosalvino, „aber leider wurden viele Versprechungen bislang noch nicht eingelöst. Leere Versprechungen haben in Brasilien eine lange Tradition.“ Unser Ziel: Angesichts der wachsenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und des großen Bedarfs an Ausbildungsplätzen sollen im Berufsbildungszentrum weitere Ausbildungskapazitäten geschaffen werden.

Bildung für Straßenkinder in Viamão.

Jugendliche auf einem SchulhofIn der südbrasilianischen Stadt Viamão, die zum Ballungsraum der Millionenstadt Porto Alegre gehört, setzen sich die Salesianer Don Boscos mit Schul- und Berufsbildungsangeboten für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Die Gemeinde mit etwa 250.000 Einwohnern zählt zu einer der ärmsten im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Vielen Kindern bleibt der Zugang zu Bildung verwehrt, weil sie früh arbeiten und so zum Unterhalt der Familie beitragen müssen. Weil sie häufig auf der Straße groß werden und niemanden sich um ihre Erziehung kümmert. So sind sie oftmals schutzlos den Gefahren des Drogenkonsums, der Prostitution und Gewalt ausgesetzt.

Runter von der Straße. Rein in die Schule.

Seit 1983 betreiben die Salesianer in Viamão das Schul- und Ausbildungszentrum Novo Lar do Menor für Kinder aus sozial schwachen Familien. Zum Zentrum gehört die Don Bosco Grundschule, die ausschließlich Kinder mit einer schwierigen Schullaufbahn aufnimmt: Schulabbrecher, Schulverweigerer, Kinder mit lange Fehlzeiten, die jetzt nirgends mehr aufgenommen werden. 120 Schüler zwischen 6 und 14 Jahren sind aktuell in der Grundschule eingeschrieben. Ein Team aus Lehrern, Sozialarbeitern und Psychologen betreut sie nicht nur in schulischer Hinsicht, sondern nimmt sich ihrer verschiedenen Probleme an.

Da viele Kinder nachmittags, nach der Schule unbeaufsichtigt sind, gibt es im Novo Lar neben dem Schulbetrieb eine Vielzahl von Sport- und Freizeitangeboten: Turnen, Capoeira, Kunst, Musik, Theater, Diskussionen und Vorträge, Förderkurse etc. Beim Sport bauen die Schüler Aggressionen ab und entwickeln Sozialkompetenzen.

Berufliche Perspektiven schaffen.

Mit einfachen Berufskursen versucht der Novo Lar den Kindern auch eine berufliche Perspektive zu geben. Etwa 230 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren können im Ausbildungszentrum Kurse in Schönheitspflege (Friseur, Maniküre, Pediküre), Informatik und Büroadministration absolvieren. Vor allem die Informatikkurse sind sehr gefragt, da viele brasilianische Unternehmen Mitarbeiter in diesem Bereich suchen.

In dreimonatigen Kursen werden die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorbereitet, sie lernen unter anderem ihre Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz kennen. Danach vermittelt Don Bosco die jungen Auszubildenden an Firmen. Neben dem theoretischen Unterricht im Novo Lar sammeln sie dort praktische Arbeitserfahrungen und erhalten ein kleines Gehalt. Don Bosco in Novo Lar unterstützt die Jugendlichen außerdem dabei, die Hochschulreife zu erlangen, die inzwischen viele Unternehmen verlangen, bevor eine Festanstellung erfolgt.

Fürsorge für die Schwächsten in Jacarezinho.

Brasilien: Jugendliche arbeiten in einer WerkstattIn der Favela Jacarezinho (Kleines Krokodil) leben geschätzt über 70.000 Menschen auf nur 1,5 Quadratkilometern. Die Favela existiert seit über 60 Jahren und ist neben der Favela Rocinha die zweitgrößte von Rio de Janeiro. Bis zur Befriedungsaktion im November 2012 gehörte Jacarezinho außerdem zu einer der gefährlichsten Favelas der Stadt. Drogenbanden liefen bewaffnet durch die Straßen, Drogen wurden in aller Öffentlichkeit verkauft und konsumiert. Täglich gab es Schießereien zwischen Drogenbanden oder mit der Polizei. Die Polizei führte ab und an symbolische Razzien durch, zeigte aber ansonsten kaum Präsenz im Viertel. Die Drogenbosse hatten das Gebiet fest im Griff.

Eine Bastion der Sicherheit und Fürsorge.

Inmitten dieser Favela betreiben die Salesianer Don Boscos seit 1970 die Pfarrei Santa Rita de Cássia. Zur Pfarrei gehören eine Schule sowie ein großes Sozialwerk. Seit den Anfängen haben mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche eine schulische Ausbildung erhalten. Seit sieben Jahren leitet Pater Silva Carlos Sebastião das Werk.

Die Don Bosco Schule ist die einzige Schule und eine von wenigen Bildungseinrichtungen in Jacarezinho. Über 500 Kinder und Jugendliche besuchen täglich die drei Kinderkrippen und den Schulunterricht. Neben dem Schulangebot werden auch betreute Freizeitaktivitäten angeboten, damit die Kinder während der Freizeit nicht einfach auf den Straßen herumlungern und dort Gefahren ausgesetzt sind.

Die Freizeitangebote beinhalten u.a. sportliche Aktivitäten wie Tanzen, Fitness und Fußball sowie Wettbewerbe, Museumsbesuche, Kino, Spiele, Theater, Vorträge, Diskussionsforen, Jugendtreffen etc. Außerdem werden Programme für Erwachsene angeboten: Anonyme Alkoholiker, Workshops zu Alltagsthemen, Gewaltprävention, Aids, Schwangerschaft, Drogenkonsum etc.

„Unser Ziel ist es, den Geist Don Boscos hier in der Gemeinde zu verbreiten“, sagt der Pater. „Im Mittelpunkt steht dabei die Familie. Denn nur, wenn Frieden in den Familien herrscht, kann es Frieden in der Favela geben.“

Es gibt Wichtigeres als die Fußball-WM.

„Wir Brasilianer atmen Fußball. Aber es gibt Dinge, die mindestens genauso wichtig sind: Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur. Hier müsste investiert werden“, erzählt Pater Carlos und ergänzt mit Blick auf die Aktionen der Polizei: „Ich habe den Eindruck, die Menschen hier sind dem Staat egal. Sie werden fast immer ignoriert.“

Im Vorfeld der Fußball-WM ist die Polizei hart gegen Kriminalität und Gewalt in knapp 40 von insgesamt etwa 300 Favelas in Rio de Janeiro vorgegangen, so auch in Jacarezinho. Die Lebensqualität hat sich seitdem um ein Vielfaches verbessert. Anders als früher sind heute kaum noch Schüsse und gewaltsame Gefechte zu hören. Die meisten Bewohner fühlen sich insgesamt um einiges sicherer, Kinder können wieder auf der Straße spielen.

Einerseits begrüßt die Bevölkerung die neue polizeiliche Präsenz – und damit auch den Rückgang der Gewalt und Drogengeschäfte auf offener Straße. Andererseits traut sie ihr nicht über den Weg. Noch nie in der Vergangenheit stand die Polizei auf der Seite der Bevölkerung. Vielmehr ist sie für Korruption und illegale Verbindungen zum Verbrechermilieu bekannt.

„Die Polizei muss alle Bemühungen daran setzen, das Vertrauen der Favela-Bewohner zurückzugewinnen und weniger repressiv sein als in der Vergangenheit. Das sage ich ihnen jeden Tag, wenn sie hier vor unserer Schule in Jacarezinho patrouillieren“, erklärt der Pater. Viele befürchten, dass nach der WM – oder spätestens nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die Polizeipräsenz wieder reduziert wird. „Das wäre sehr schlimm. Die Drogenbarone würden dann zurückkehren“, meint auch Pater Carlos.